Foto: Kohler
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Sangeskunst trifft auf Kochkunst

(TROSSINGEN-SCHURA/sz) von Ingrid Kohler

Kultur und Kochkunst haben sich am Samstag im Landgasthof „Bären“ miteinander vermischt und einen launigen Abend mit Kabarett ergeben. Das Duo „Man(n) singt Deutsch“ unterhielt die Gäste während eines Vier-Gänge-Menüs.
„Mit außergewöhnlichen Genüssen der modernen deutschen Küche“ unter dem Motto „Man(n) isst Deutsch“, wollte Küchenchef Frank Link seine Gäste im Landgasthof in Schura bekochen. Für den künstlerischen Teil des Abends waren die beiden „Blödelbarden aus dem Schwarzwald“, Sebastian Schnitzer und Fabian Huger, zuständig.
Getreu ihrem Motto „Die Welt ist traurig genug“, nahmen die beiden sowohl die badische wie auch die schwäbische Seite der Gäste mit auf ihre ironische Reise durch die deutschsprachige Schlagerwelt. Mit dem Hinweis, Curry wachse wohl gleich hinter Schura, entkräftete das Duo die Meinung einiger Gäste, dass die Kartoffel-Curryschaumsuppe wohl doch nicht ganz so deutsch sei. Sie servierten ihrerseits eine Homage über den „Wirt Francesco“ – Frank Link, der doch so gar kein Italiener ist, sondern ein echtes Schuraer Urgestein.
Felchen zur Sauerkrautpolka
Das Piano in eine Handharmonika getauscht, spielte sich Sänger, Pianist und Entertainer Schnitzer von Italien über den Zillertaler Hochzeitsmarsch hin zur Sauerkrautpolka, um mit der Fischerin vom Bodensee direkt bei der Vorspeise „Bodenseefelchen an Nudel-Spinat-Rissotto in Dillschaum“ zu landen. Dass die beiden den „Applaus und die Kohle“ brauchen, erklärten sie in einem einzigartigen Mix aus „Gehn se mit der Konjunktur“ und dem „Kriminaltango“, beides endete in einem Lied über Sozialleistungen des Staates mit dem bezeichnenden Titel „Hartz IV“. Herzergreifend die Geschichte der „Drei Katzen“, die im Übrigen den vierstündigen Abend, kopfnickend, schwanzwedelnd, augenzwinkernd und miauend bereicherten.
Nicht den Appetit auf den Hauptgang verderben ließen sich die Gäste vom musikalischen Rezept der so charmanten Tonkünstler, denn Frank Link servierte absolut nicht „Pasta mit viel Soße aus der Dose“, sondern „Kalbsrücken in Bergheu gegart auf luftigem Kartoffel- und Erbsenpüree an Burgunder-Schalottenjus und einer Gemüsepraline“. Das war ein Sonderapplaus für Frank Link und sein Küchenteam wert, und vielleicht hatten die Gäste ja noch „Bock auf Mokka oder ein Rendezvous mit Espresso“.
Bevor wahlweise das Dessert „Beeren-Knusper-Türme mit Trollinger Sorbet und Quarkkrapfen“ oder „Ziegen-Camembert vom Hohenkarpfen mit Johannisbeeren und Orangensenf“ serviert wurde, versprach schon das „Lederhosen-Outfit“ der Musiker musikalische Leckerbissen: Nach dem von Sebastian Schnitzer mit viel Klamauk servierten „Überzieher“, war es ein Walzerpotpourri aus Gassenhauern von der kleinen Kneipe bis zum Holzmichel, das die beiden Schwarzwälder direkt als Cowboy in den Wilden Westen führte.
Die beiden Künstler waren sich aber auch für nichts zu schade. Sie sangen schön wie Caruso den „Quietsche-Entchen-Song“, spielten sich an Piano, Akkordeon und Gitarre mit viel Hingabe die Finger wund und konnten sich bei jeglicher Improvisation blind aufeinander verlassen.
Zur Freude des Publikums nahmen sich Huger und Schnitzer gegenseitig auf den Arm und dankten dem Publikum, das „aufgesprungen ist auf unseren Zug, denn die Welt ist traurig genug“. Der Mix aus Kultur und Kochkunst war gelungen.

Schwäbische Zeitung vom 8. August